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JTR`s FOTOBLOG

Für die meisten Bilder meines Schaffens bin nicht ich , vielmehr Fotografen verantwortlich mit denen ich mich gut verstehe, ähnliche Gedankenwelten haben oder ganz einfach Freunde sind.  Einer jener mit dem es oft so manchen Spass und cooles Shooting gab ist Jack the Rigger kurz JTR. NUn hat er einen hübschen  Fotoblog gebaut in welchem er seine normalen  spannenden und sehr geschärften Blickwinkel zeigt aber auch die in der Bondage-scene gern gesehenen Momentaufnahmen von Seil, Situationen und Menschen in Emotionen

Wie ich finde, hat er einen wunderbaren Stil in seinen Arbeitenentwickelt,  zu denen ich teilweise als Seil-Aktiver , teils als Berater oder kreativ Mitwirkender unterstützend mitarbeiten durfte ..

Das Projekt  * Subi sinnvoll eingesetzt* wir ständig erweitert und wird uns sicher noch so manchen Lacher bescheren, was die Umsetzung vieler verrückter Ideen zweier ANIMANIACS angeht

In diesem Sinne schaut mal rein .. und hinterlasst einen Kommentar sowohl hier als auch dort ;)

beste Grüsse

MINO


A good Ropebunny.. oder Kinbaku?Kinbaku! 2

Nachfolgender Beitrag ist aus meinem Bauchgefühl und Gedanken entstanden , er entbehrt somit jeglicher Vollständigkeit und ist nicht umfassend.. dennoch darf er als gedankliche Stütze für andere Aktive wie Passive in  den Seilen dienlich sein.

Dieses Jahr habe ich durchaus einiges an schönen Erfahrungen  während einiger Workshops erleben dürfen.

Doch stets da wo Licht ist herrscht auch Schatten.

Hierbei ist mir einige Male schon aufgefallen , das sich Aktive wie Passive ( meiner einer ist da auch nicht davor gefeit ) durch die Menge  der Menschen , durch die fortgeschrittene Zeit an einer Party  sowie vielleicht  Selbstüberschätzung des Könnens oder auch einfach  Überbeanspruchung  seines Körpers zu fehlerhaften Einschätzungen und somit zu unrühmlichen Aktivitäten in den Seilen gekommen ist.

Schade ist es immer dann, wenn Lähmungen , Taubheitsgefühle oder gar ein für den Passiven zwar nicht schmerzhaftes aber dennoch  emotional ergreifendes Erlebnis wie ein Kreislaufzusammenbruch , eine Ohnmacht entsteht.

Der Passive hat dann oft das Gefühl, er sei nicht fähig , die *geforderten* Aktionen seitens des Aktiven auszuhalten , sei nicht in der Lage , die Bondage  anzunehmen .. kurz es entsteht ein Gefühl von Minderwertigkeit .

Aus eigener Erfahrung als aktiver Part fühle ich mich dabei auch nicht wirklich besonders gut dabei.

Was habe ich falsch gemacht ? oder nicht beachtet ? Sind mir deutliche Zeichen der Kommunikation unterlaufen ? oder liegen gar ganz andere Dinge zu Grunde ?

Der Partner IN den Seilen ist stets , obschon passiv, gefordert .. physisch & psychisch .

Dabei spielen wohl viele Faktoren eine Rolle..

Zum einen die Tagesform ganz allgemein:

Wie sind wir aufgestanden ?  sind wir heute grummelig oder haben wir ein schönes Lächeln drauf ?

Fühlt sich unser Körper fit ? sind wir offen im Geiste ? haben wir den Mut uns selbst und dem Gegenüber zu begegnen ? Wollen wir  mit allem was wir in uns tragen dem Gegenüber nahe sein ? oder einfachnur fesseln und ficken ?

Entscheidend wird auch der Tagesablauf sein .. Arbeit , Familie , anderweitige Beanspruchungen , Nervereien durch Berufskollegen / Innen ect ..  das Wetter .. manche sind Wetterfühlig und somit schon bei miesem Wetter eher in grummeliger Stimmung.

all diese Gründe können dazu führen , das eine geplante Bondageaktion  eher im Sand verläuft oder nicht dem gerecht wird , als was sie ursprünglich geplant war.

Diese Gründe treffen  nicht nur auf den Passiven , auch der Aktive kann einen schlechten Tag erwischen , nicht OpenMinded sein..

Vielleicht das eine *geplatzte*  BondageAktion im privaten Raum weniger schlimm sein wird, denn eine die an einer Party  geknüpft wurde. Da sehen ja alle wer sie knüpft, man ist beobachtet .. und  wenn sie denn schief läuft , reden ja auch alle nacher darüber oder sie sind so pietätvoll, das sie einem mit Zuspruch helfen und sogar helfend eingreifen , nachdem sie gefragt haben ob es denn erwünscht sei..

Ein Aktiver wird diese Freundlichkeit zu schätzen wissen .. denn ein Mensch der in sich zusammensackt, weil er ohnmächtig wurde, ist eine schwerere Last , als man sich vorstellen kann. Und gerade für eine Frau kann der ohnmächtige Mann zu einer unverrückbaren Schwerlast werden

Muskelspannung ist weg , erste Aufregung  jagt einem den Adrenalinspieleg hoch , Angst und die Befürchtung, Fehler gemacht zu haben schlagen sich nieder.. und daraus entsteht oft genug Hektik.

Hektik die dadurch entsteht,  das der Aktive

- ruhig nach seiner PartnerIn schaut , fühlt  und mit ihr/ihm spricht , so denn sie/ er nach wie vor ansprechbar ist

- er / sie  sich nach Hilfe umsieht , wenn es denn sehr schnell gehen muss, sich einen zweiten Partner  VORHER  ( vor dem Beginn der Bondage in der Öffentlichkeit ) zu Hilfe zieht

- die 5 – Punkte *Regel*   aus den Dragonrope© Workshops beachtet .. wobei ich hier erwähnen möchte, das ich diese als Stütze/ Hilfe und nicht als Dogma sehe.

Werden diese Punkte in eine Session einfliessend mitgenommen, so kann sich nach wie vor ein Unfall ereignen , doch die Vorzeichen  können früher erkannt, Hilfe schneller gegeben werden und durch das Kennenlernen  beider Partner, das erneute Vertrauen vertieft werden.

der passive Part hingegen  vermag durch seine Kommunikation mit dem Aktiven, sei dies nun  verbal / akustisch oder nonverbal  mit Gesten , Verhalten  und eingespielten Neckereien eine deutliche Sprache sprechen , die es dem Aktiven erlauben, weiter voran zu gehen , forscher in die Welt des Passiven einzudringen oder auch  das Seil mal locker da liegen zu lassen .. um zu beobachten .. zu lernen, das es manchmal nicht mehr benötigt als eine kleine Fingerspitze am rechten Fleck , am rechten Ort .

Shibari oder klassisches Bondage mit Seilen ( ich nehme hier mal dieses stellvertretend für alles ; )

ist nicht nur das blosse Fesseln und Fixieren eine Person. Shibari oder besser Kinbaku ist in meinen Augen auch das sich beschäftigen mit der Person ,  oder die Person/ das Gegenüber selbst beschäftigen .. allein durch die Anwesenheit des Aktiven , seiner Präsenz , seiner Hände und was er daraus macht ..

Durch diesen Kontakt , diese Nähe  vermag der Aktive einzuschätzen, wie es dem Gegenüber geht . Nicht vollkommen , das ist mir bewusst.. doch er wird erspüren, wie die Haut sich anfühlt, ob sie kühl, schwitzend  oder schon nass ist , weiss, blass , blau oder zitternd der Unterleib eine Anspannung kundtut , die man gut unterscheiden kann von lustvoller Anspannung oder krampfartiger Vespannung die es dann wohl zu lösen gilt.. den Passiven zu beruhigen , aufzufangen , und vielleicht mal wieder ganz beschützend in den Arm zu nehmen .

Ach ja… und Lachen ist das beste Heilmittel für alles .. ;)

zwischendurch .. während dessen .. vor und danach .

Zusammenfassend möchte ich hier folgendes festhalten:

Eine geplante Bondagesession , privat wie  an einer Party  sollte mit wachem Geist und fittem Körper  ausgeführt werden. Empfehlenswert ist hierbei, genügend zu trinken, genügend zu essen und sich selbst stets klar beobachtend im Blickwinkel zu haben ( sich selber und seine Fähigkeiten zu kennen / Aktiv wie passiv )

Hochgradige Nervosität   zu erkennen versuchen , miteinander sprechen .. Session nur für sich selbst machen , Kritik anderer ist absolut zweitrangig ( konstruktive Kritik , aufgrund  dunkelblau angelaufener Gliedmassen soll und darf angebracht / angenommen sprich mit einem Lächeln unterstützt  überreicht werden )

ist der Partner beruhigt, kann man sich ganz dem widmen , was nun folgen soll , geplant war .. setzt es um und geniesst es. Es kann vorkommen, das selbst der Aktive unruhig , nervös und oder angespannt ist .

So kann auch der Passive auf IHN einwirken .. und beruhigen, sich anbieten ohne zu fordern.

Frau  zB mit den ihr gegeben *Waffen* der Sinnlichkeit .. Sanftheit und Wärme. Der passive Mann vielleicht mit seiner Stimme, seinen Worten , seinen weichen Händen, auch mal selbst Emotionen und Gefühle zeigen .. ebenso sich anbietend..

Fordern wäre nur bedingt eine Lösung, wenn sie denn dem Spiel  oder der Einleitung dienlich ist , weil es so eher möglich ist in eine Session einzusteigen .

Nicht jeder Mensch vermag sich sofot oder von Anfang an auf ein ruhigeres Spiel einlassen .So wie es viele unterscheidliche Färbungen im SM gibt , so sind auch die Möglichkeiten eines Einstiegs , des Genusses ganz unterschiedlich.

Schön und intensiv sind sie alleweil.. jede für sich , jeder für sich und seine Partner.

Man mag den Eindruck haben, diese Welt des Shibari/kinbaku bondage sei eine Welt voller inniger Zärtlichkeit und weichgespülter Emotionen.

Dem kann ich klar widersprechen ..  so sind Einstiege zB mittels eines *Kampfbondages* ( Ausdruck aus persönlicher Färbung ) durchaus eine lustvolle und Spannung abbauende Alternative um die eigenen Mauern abzubauen , und sich besser in diese Welt einzufinden.

Nähe KANN mit Zärtlichkeit und Geborgenheit , Sanftheit und Sinnlichkeit erschaffen werden .. doch gibt es auch andere Wege dorthin zu gelangen , wo es für BEIDE erfüllend und tief befriedigend sein wird.

Wir sind nun am Ende einer Seilsession angekommen .. alles ruht , alles ist fliessend  und die Zeit aus den Seilen zu kommen ist da.

Was also nun tun ?

Das Spiel war intensiv.. tief und fordernd.  Steigt man nun aus den Seilen , so passiert es ab und an , das leichtes Frösteln sich einstellt. Denn obschon nicht mehr als reine Seile in verschlungener Art sich auf der Haut befanden , ist es doch beinahe wie ein Kleidungsstück.. die Muskeln erfahren Stress und der Körper *wehrt *  sich eventuel dagegen .. das bedeutet Arbeit .. Arbeit = Wärme die abgeführt wurde.. und wenn dieser Kokon nun fehlt .. beginnt der Körper zu frösteln.

Anders ausgedrückt, ist es stets eine Energie die fliesst..die übertragen wird. Habt ihr schon mal ein angespanntes Seil plötzlich losgelassen ?  Ein gespanntes Gummiband durchschnitten ?

So ohne einen Druck , eine Anspannung ist man so frei und unbeschwert .. losgelöst eben.

Beinahe schutzlos.. aber voller Kraft und neuer Energie.

So kann der Aktive danach dann schnell ein paar warme Socken suchen , eine Decke überstreifen , auf s Sofa kuscheln gehen , Tee oder Kaffee machen ..  den Kachelofen / Schwedenofen anmachen , viele Kerzen entfachen ( wenn nicht schon gemacht ) und dem Gegenüber seine Präsenz zeigen, das man für Gespräche oder auch  scharfen heissen Sex.. einfach offen ist ;)

das Gerücht das SMer keinen Sex haben .. halte ich  für ein Ammenmärchen ;)   nur wann und wie , das sei eben an ganz anderer Stelle beschrieben ;)

Hilfreich ist es sicherlich auch , zu einem späteren Zeitpunkt  eventuelle Unklarheiten , schmerzende Glieder , oder einfach nur Anregungen dem Aktiven weiter zu geben .. dieser kann danach diese neuen Erkenntnisse einbauen und dem Passiven wiederum zeigen, das er dieses Vertrauen und die Macht der Seile verdient hat .

So freue auch ich mich stets, wenn Anregungen und Ideen , erweiternde Kommentare und sonstige Inputs  hier im Blog oder als Mail ihren Weg finden

für’s erste merci fürs Lesen

DRAGONROPE


Quo vadis – BondageScene ??

Die Scene hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Und wie ich meine durchaus zum positiven und spannenden. So haben wir derzeit nicht nur unser eigenes SceneMagazin BONDAGEMAGAZIN.de sondern auch eine Kultur drum herum , die anfangs cvielleicht von einigen einzelnen Aktiven geprägt, mittlerweile eine ganze Horde guter und auch öffentlich auftretender Aktiven mit Models , pauschalUNDschuldigen Bunnys  wie kleinen oder grösseren Sünden  die Scene bereichern.

Kürzlich fanden einmal mehr die Workshops von OsadaSteve statt und ich wäre nur zu gerne dabei gewesen. Doch neuer Jobantritt verlangte einfach die volle Aufmerksamkeit in den ersten Wochen.

anbei  möchte ich aber einen Kurzbericht eines befreundeten Riggers aus unserem östlichen Nachbarland Austria euch nicht vorenthalten.

Vielen Dank Vinciens für deinen Text.

NACHLESE Osada Steve Workshop / Berlin

Die Berlin-WS waren wieder mal eine Reise wert. Aufgeregt, was wir da wohl alles an Neuigkeiten präsentiert bekommen werden, bin ich jetzt mal angesaugt wie ein Schwamm und muss das dort Erlernte mal verarbeiten.

Der Trip fing so an, dass Libido und ich nach 50 Minuten Flugzeit, 45 Minuten wegen Nebels im Holding Kreise flogen. Barlin , ein Mitglied des Dojos in Berlin, holte uns persönlich ab und brachte uns ins Studio. Die Wohnung nebenan dient als Pausenraum und Unterkunft für WS-Teilnehmer.

Als sich die Türe öffnete bot sich uns eine Überraschung in Form von Tina und Max aus Kopenhagen welche wir schon letztes Jahr kennen gelernt hatten. Sie waren unsere Nachbarn und ebenfalls Kursteilnehmer. Max ist der offizielle Weltrekordhalter im fesseln des OS-3STK auf Speed. Die genaue Rekordzeit hab ich vergessen liegt aber, soweit ich mich erinnern kann, irgendwo so um die 2:35.

Der Kurs selbst war erstaunlicher Weise nicht ausgebucht. Außer uns beiden waren da noch das Studiomitglied Peter, welcher sich durch die WS eine Woche davor erst für den Performance-WS qualifiziert hat, Tina und Max und die großartige Dasniya Sommer welche aber nur halbtäglich an den WS teilnehmen konnte. Neben den Studioleitern Hagen und Arliss war noch Jhenna als Bunny und ein weiteres, aus Japan stammendes Bunny anwesend.

Na und dann war da natürlich Steve-San mit seinem Modell Morikawa Mari


Die Begrüßung war sehr herzlich und wir fühlten uns sofort wohl.

Um 15:00, am Tag der Anreise, ging es dann los. Der Satz „3Seil Takate Kote zum aufwärmen“ war mir ja schon bekannt. Das waren dann auch schon so ziemlich die einzigen deutschen Worte bei dem Kurs da dieser wegen der Gäste aus Kopenhagen hauptsächlich in Englisch gehalten wurde. Nach dem 3Seiler wurde ausgebessert. Oh Mann, da wurden mir meine Fehler brutal offenbart. Zum Glück gab es aber bei jedem was zu verbessern. Das beruhigte mich dann doch wieder. Ich bekam dafür eine neue Möglichkeit präsentiert, Seil zu verbauen, wenn der Verlängerungsknoten ungünstig zu sitzen kommt.

Nach der Aufwärmübung wurde fesseln mit einem Seil gelehrt. Es ging darum zu erkennen, was mit nur einem Seil möglich ist. Bei dieser Übung musste sehr ruppig gefesselt werden. Das Modell sollte quer durch den Raum gejagt werden. Damit tat ich mir anfangs schon schwer da das nicht unbedingt mein Stil ist. Steve zeigte, wenn er zu mir kam, auf eine der Matten vor mir und frage mich „warst Du schon hier?“

Schon am ersten Tag zeigte sich, dass die Kombination von Antibiotika und Grippemittel nicht besonders für Fesselungen geeignet ist. Libido bekam eine übersensible blutige Haut und die Ropemarks sahen aus, als hätte ich sie mit Stacheldraht gefesselt. Zum Glück gab sich das dann im Laufe der Woche.

Rein von den Techniken betrachtet gab es zum Vorjahr nicht allzu viel Neues, allerdings war die Info bezüglich der Ausführung der einzelnen Fesselungen enorm. Wirklich neue Techniken umfassten die Marionette, eine Teppo-Variante und ein ganz neuer TK speziell für den Gyaku-Ebi-Zuri. Zu letzterem gab es eine sehr spektakuläre Methode des Lifts.

Interessant war der Yoko-Zuri mit verbundenen Augen auf Zeit. Da bekam ich ein ganz neues Gefühl für diese Technik und es war aufschlussreich zu erfahren, wie lange man dafür benötigt. Überrascht war ich, wie gut mir das gelang. Es gab keine nennenswerten Probleme und ich machte sogar eine kleine Progression weil mir die Höhe eines Beines nicht gefiel.

Wirklich spannend war Newaza und die Philosophie welche hinter den Yukimura Techniken steht. Da war es so, als würde ich alles neu lernen. Wenn ein Unwissender über Yukimura Haruki aus der Arte Doku spricht dann hört man oft Worte wie „lüstender, geiler, alter Japaner“. Tatsächlich dürfte er aber ein Mann sein, der GENAU weiß, was Frauen wünschen.

Was wir gelernt hatten war die Art, „selbstlos“ zu fesseln. Leider habe ich die japanische Bezeichnung dafür vergessen. Wir lernten, als Rigger auf eine bestimmte Distanz zum Modell zu gehen. Nicht nur räumlich sondern auch mental. Es wird nicht gefesselt wie der Rigger es will sondern wie das Modell es will. Des Riggers Aufgabe ist es dabei, zu erkennen, wie das Seil zu laufen hat, und wo das Modell das Seil erwartet bevor es das Modell selbst weiß. Auf diese Weise erzielt man Reaktionen die über die normale Fesselung weit hinaus gehen. Einmal in der Stimmung kann man das Modell formen und in Lagen und Stellungen bringen ohne es großartig zu berühren. Benötigt man sonst Kraft um das Modell von der liegenden Position in eine sitzende zu bringen, geschieht das nun mit einer hauchzarten Berührung einer Fingerspitze.

Auf der anderen Seite wurde uns beigebracht wie man bei Vorführungen das Tempo bestimmt. Wo man ruppig, wo sanft fesselt, wo man Gas gibt, wo man abbremst und wo man stoppt. Auch auf die richtige Distanz zum Modell wurde bei diesem WS großen Wert gelegt. Es wurde uns gezeigt, dass es ein großer Unterschied ist, ob man einen 3 Seiler für eine Suspension oder ob man einen Hojo-Hishi fesselt.

Steve und Max zeigten uns an einem Abend im EQUIPAGE je eine Vorstellung. Steves Ding war natürlich klasse. Vor allem vor Morikawa Mari hatte ich Respekt, hing sie doch am Schluss an einem Seil welches durch ihren Schritt ging. Max und Tina zeigen eine Performance die mich um haute. Vier große Progressionen aus einem Gyaku-Ebi-Zuri heraus mit einer Dynamik die allen Anwesenden die Sprache verschlug. Ich war begeistert.

Am Samstag war das „große“ Finale. Jeder Kursteilnehmer sollte eine Performance im AVALON vor Publikum zum Besten geben. Den Anfang machten Barlin und Faunia Farley mit einer wunderschönen Jiai-Shibai ähnlichen Bodenfesselung wobei man bedenken muss, dass sich Barlin erst seit knapp 2 Monaten mit Shibari beschäftigte.

Ich entschied mich aufgrund Libidos Gesundheitszustand für einen ganz einfachen ruhigen Yokuzuri. Allerdings ohne den in Berlin gelehrten Beckengurt damit sich das Modell besser bewegen kann. Und genau das kam dort gut an. Scheinbar rechnete niemand damit, wie sich Libido in den Seilen bewegen und selbstständig die Drehgeschwindigkeit regulieren konnte. Auch die Geschichte mit dem Gas geben und stoppen an den Haaren kam gut an.

Arliis und Hagen fesselten einander abwechselnd. Zuerst wurde Hagen von Arliis in einem Teppo aufgehängt und in mehreren Progressionsstufen herabgelassen. Dazu muss man anmerken, dass Arliis die kleinste und zarteste Frau ist die ich kenne und Hagen größer ist als ich. In jede Richtung. Sie verwendete für das Setzen der Tsuris ein kleines Stockerl. Erstaunlich war die Dauer der Fesselung. Ich habe vergessen zu stoppen, aber unter 45 Minuten dauerte das sicher nicht. Mir wäre da an Hagens Stelle schon lange der Arm abgestorben. Respekt!

Umgekehrt wurde dann Arliis von Hagen in einen Gyaku-Ebi-Zuri mit Progression in den Sakasa-Zuri gefesselt. Da passte dann, was die Gewichtsklassen betrifft, die vermeintlich „richtige“ Riggerwelt wieder.

Dann zeigten Tina und Max wieder ihre Power-Performace. Und da ging fast alles schief. Für mich sind die beiden mit Abstand das beste Bondagepaar das ich kenne. Ich weiß wirklich nicht was da falsch lief, denn ich sah keinen Fehler. Es begann damit, dass sich der Hauptzuri so blöd um den Ring wickelte, dass Max eine Zeit brauchte um das zu entwirren. Dann knallte er sich ein Seilende ins Auge. Schließlich ging der Lift in den Gyaku-Ebi-Zuri schief und ein Seil wickelte sich um seine Beine. So ging es bis zum Schluss weiter. Libido und ich konnten das nicht verstehen, da Max wie immer souverän fesselte. Es war einfach wie verhext.

Den Abschluss bildete Steve mit seiner langsamen aber unglaublich kraftvollen Vorstellung die er auch schon im Equipage zeigte. Die Präzision mit der er die Seile führt ist einfach unbeschreiblich.

Am So, nach 0 Stunden Schlaf seit Samstag 10 Uhr Vormittag ging es zum Flughafen und zurück nach Wien. Viel geschlafen haben wir in Berlin sowieso nicht. Die WS dauerten 6 Stunden bis 22:00, danach Nachbesprechung und dann machten wir mit den Kopenhagenern die Nacht zum Tage.

Ich für meinen Teil brauche wieder mal eine Zeit lang um das Erlernte zu verarbeiten und umzusetzen. Tatsache ist, dass Steve es immer wieder schafft meinen Resetknopf zu drücken und mir das Gefühl zu geben, als hätte ich erst gestern mit Shibari begonnen. Das ist nicht negativ zu verstehen. Ich finde es toll in dem was ich tue, durch ihn immer wieder neue Varianten und Möglichkeiten zu erkennen. Die Dinge, die ich glaube zu kennen, ergeben plötzlich einen neuen Sinn.

Fazit: Mir hat es gefallen!

und mir ebenso..

mino

DRAGONROPE©


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